Kardiale Stoßwellentherapie: Neue Studie zeigt, wie CSWT die Gefäßneubildung nach einem Herzinfarkt fördert

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im Fachjournal Frontiers in Cardiovascular Medicine (Juni 2026), liefert neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu einem Therapieverfahren, das wir in den Schlosspraxen Meyer bereits erfolgreich einsetzen: die kardiale extrakorporale Stoßwellentherapie (CSWT). Ein Forschungsteam um Yang Li und Kolleg:innen untersuchte im Tiermodell, über welche biologischen Mechanismen die Stoßwellentherapie die Regeneration des Herzmuskels nach einem akuten Herzinfarkt unterstützen kann.
Was ist die kardiale Stoßwellentherapiefür das Herz?
Die extrakorporale Stoßwellentherapie ist ein nicht-invasives Verfahren, bei dem energiereiche Schallwellen gezielt von außen auf bestimmte Bereiche des Herzmuskels übertragen werden. Sie wird bereits heute bei chronischer koronarer Herzkrankheit als ergänzende Behandlungsmethode eingesetzt, etwa um die Durchblutung des Herzens zu verbessern und Beschwerden wie Angina pectoris zu lindern. Die neue Studie widmet sich der Frage, welche zellulären und molekularen Prozesse dieser Wirkung zugrunde liegen – und ob sich das Verfahren auch für die Akutphase nach einem Herzinfarkt eignen könnte.
Was wurde untersucht?
Die Forscher:innen kombinierten Zellkultur-Experimente mit einem Tiermodell des akuten Herzinfarkts sowie moderner Proteomik-Analytik. Im Mittelpunkt standen sogenannte zirkulierende angiogene Zellen (CACs) – körpereigene Zellen, die eine Schlüsselrolle bei der Neubildung von Blutgefäßen spielen. Die Studie prüfte, wie sich eine gezielte, niedrig dosierte Stoßwellenbehandlung auf diese Zellen und auf das geschädigte Herzgewebe auswirkt.
Die wichtigsten Ergebnisse
Die Stoßwellentherapie aktivierte die angiogenen Zellen deutlich: Ihre Wanderungsfähigkeit zu geschädigtem Gewebe und ihre Fähigkeit, neue Gefäßstrukturen auszubilden, waren im Vergleich zur unbehandelten Kontrollgruppe signifikant erhöht. Gleichzeitig stieg die Ausschüttung gefäßfördernder Botenstoffe wie VEGF, HGF, bFGF und SDF-1 spürbar an.
Im Tiermodell führte die Behandlung zu einer deutlichen Verkleinerung der Infarktnarbe: Während sie in der unbehandelten Gruppe im Mittel rund 38,5 Prozent des linken Ventrikels betraf, waren es in der mit Stoßwellen behandelten Gruppe nur noch etwa 16,8 Prozent – eine Reduktion um mehr als die Hälfte. Zudem fanden sich im behandelten Herzgewebe deutlich mehr angiogene Zellen sowie mehr neu gebildete Blutgefäße.

Abb. 1: TTC-Färbung des Herzgewebes: lebensfähiges Gewebe (rot) und Infarktareal (weiß) mit und ohne Stoßwellentherapie – deutlich sichtbare Verkleinerung der Infarktnarbe.
Mithilfe moderner Proteomik- und Netzwerkanalysen identifizierte das Team drei zentrale Eiweißmoleküle – S100A4, CSF2 und FOXO1 –, deren koordiniertes Zusammenspiel offenbar entscheidend dafür ist, dass die Stoßwellentherapie diese schützenden Prozesse in Gang setzt. Diese drei Faktoren scheinen wichtige Signalwege zu steuern, über die das Herz nach einem Infarkt seine eigene Reparatur- und Regenerationsfähigkeit aktiviert.

Abb. 2 – Graphical Abstract: Schematische Übersicht des Wirkmechanismus: Stoßwellentherapie aktiviert angiogene Zellen über das S100A4/CSF2/FOXO1-Netzwerk, fördert die Ausschüttung gefäßbildender Botenstoffe und die Neubildung von Blutgefäßen im geschädigten Herzgewebe.
Die Ergebnisse liefern erstmals eine detaillierte molekulare Erklärung dafür, wie die Stoßwellentherapie ihre gefäßfördernde Wirkung entfaltet – nicht durch die Beeinflussung eines einzelnen Signalwegs, sondern durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel mehrerer körpereigener Regulationsmechanismen. Das unterstreicht das Potenzial der CSWT als schonende, nebenwirkungsarme Ergänzung zur Behandlung ischämischer Herzerkrankungen.
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine präklinische Grundlagenstudie im Tiermodell. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Akutbehandlung von Patient:innen nach einem Herzinfarkt muss erst in weiteren klinischen Studien untersucht werden – aktuell laufende klinische Studien (etwa die CAST-HF-Studie) befassen sich mit dem Einsatz der Stoßwellentherapie bei chronischer ischämischer Herzerkrankung. Dennoch fügt die Arbeit unserem Verständnis dieses Verfahrens, das wir unseren Patient:innen bereits anbieten, einen wichtigen wissenschaftlichen Baustein hinzu.
Quelle: Li Y, Li H, Liu C, Zeng X, Tian X, Hu W, Wang L, Hua B, Yang P. Extracorporeal cardiac shock wave therapy modulates post-infarction neovascularization via CAC-mediated pro-angiogenic effects and modulation of the S100A4/CSF2/FOXO1 protein network. Front Cardiovasc Med. 2026;13:1839337. doi: 10.3389/fcvm.2026.1839337. Open Access unter CC BY 4.0.
Stoßwellentherapie in den Schlosspraxen Meyer
In den Schlosspraxen Meyer am Schloss Hachenburg bieten wir die kardiale Stoßwellentherapie als ergänzendes Verfahren an. Ob die Behandlung für Sie infrage kommt, klären wir in einem persönlichen Gespräch.




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